Paar Fotos aus Ingelheim

Hatte letztens die Gelegenheit das Dschungelbuch-Theater/Musical in Ingelheim anzuschauen. Ich kenn Teile von Ingelheim vor vielen Jahren, da ich dieses regelmäßig mit meinem Auto (Corsa B, yeah) durchquert hatte. Sonderlich schön war es nicht.

Um so mehr war ich überrascht das Ingelheim von heute zu sehen. Die Innenstadt ist komplett saniert worden (wahrscheinlich ein großer Dank nach Boehringer) und autofrei gemacht. Beziehungsweise nur noch eine kleine Durchfahrtsstraße mit Schrittgeschwindigkeit.

Ein ganz anderes Bild… Sehr schön… Wenn auch etwas betonlastig.

Netzneutralität

Am gestrigen Tag wurde in den USA den Willen und die Erzwingung der Netzneutralität aufgekündigt.

Was bedeutet eigentlich Netzneutralität?

Bei der Nutzung des Internets gibt es im Regelfall drei Parteien:

  • Der Endnutzer (also du)
  • Der Provider (Telekom, Vodafone und andere Halsabschneider)
  • Der Internetdiensteanbieter (YouTube, WhatsApp, Facebook, aber auch Bank und Sparkassen)

Netzneutralität bedeutet:

a) Der Endnutzer bezahlt den Provider für den Zugang ins Internet
b) Der Provider (Internetzugangsdienst) ist verpflichtet die Verbindung zu allen Internetdiensteanbietern gleichartig zu gewährleisten. Er darf aus kommerziellen Gründen nicht drosseln und nicht sperren. (Internetsperrgesetz lässt grüßen). Volumenbeschränkung erfolgt gleichartig über alle Dienste… (Telekom interpretiert hier das ‚StreamOn‘ anders, steht aber auch dafür in Kritik)
c) Der Internetdiensteanbieter ist auf der anderen Seite diskriminierungsfrei gestattet Dienste dem Endkunden anzubieten.

Niedergeschrieben in der EU-Verordnung 2015/2120 :

Anbieter von Internetzugangsdiensten wenden keine Verkehrsmanagementmaßnahmen an, die über die Maßnahmen gemäß Unterabsatz 2 hinausgehen; insbesondere dürfen sie nicht bestimmte Inhalte, Anwendungen oder Dienste — oder bestimmte Kategorien von diesen — blockieren, verlangsamen, verändern, einschränken, stören, verschlechtern oder diskriminieren, außer soweit und solange es erforderlich ist, um …

Genau dies wurde nun in den USA aufgekündigt…

Wo ist das Problem? 

Punkt a) bleibt natürlich erhalten.

Punkt b) bedeutet nun, dass der Provider zum Beispiel Netflix drosseln kann und der Endnutzer gegen einen Obolus von 3 EUR/Monat Zugriff auf Netflix auch in HD erhält. Ein WhatsApp Package für 5 Cent pro Nachricht wäre auch elegant.

Punkt c) bedeutet, dass der Provider nicht nur den Endkunden schröpft, sondern auch den Internetdiensteanbieter um Geld bittet, da sein Service ansonsten nur verlangsamt oder gar nicht angeboten wird.

Oder als PowerPoint:

Ergo: Mehr € für weniger Daten

Im Endeffekt kann dann der Vertrag folgendermaßen aussehen (Worst-Case Szenario):

Auf der einen Seite verdienen die Diensteanbieter ein Schweine-Geld, dass die Provider den quasi kostenfreien Zugriff auf die hochvolumigen Dienste gewährleisten müssen, auf der anderen Seite kann dies nicht auf den Rücken der Endnutzer ausgetragen werden und damit der Zugriff auf das wohl erfolgreichste und gesellschaftsbeeinflussende System, dem Internet, limitiert wird. Der gesellschaftliche Nutzen des Internets lebt davon, dass jeder Mensch in der Lage ist auf alle kostenfreien Dienste im Netz zugreifen kann. Ein Basis-Internet-Zugriff ist nahezu für jeden finanzierbar (wenn nicht, sollte er in meinen Augen Teil des Existenzminimums sein). Es wäre eine Schande, wenn der Zugang auf unbestreitbar sinnvolle Dienste wie Wikipedia, OpenStreetMap, die freie Presse auf Grund von kommerziellen Interessen  eingeschränkt werden könnte… (Das Können ist schon die Schande…. Die Durchführung ist eine Konsequenz daraus)

Weiterhin ist es untragbar, dass private Unternehmen nicht nur die Möglichkeit haben politisch oder moralisch ungewollte Inhalte auf der eigenen Plattform zu sperren… Sie haben nun als Provider die Möglichkeit ungewollte Inhalte aus quasi-kommerziellen Gründen auf dritte Webseiten zu drosseln oder zu reduzieren.

Weiterhin werden die Internetdiensteanbieter weiter monopolisiert (z.B. GAFA), da diese auf Grund von Skaleneffekten in der Lage sind die Kosten für die Provider zu bezahlen. Neue, innovative Anbieter, die noch in der Wachstumsphase sind, werden so systematisch benachteiligt, was im Sinne der Monopolisten ist. Die Innovationskraft wird auf Grund von Kostendruck und privater Regulierung (Zugangsbeschränkung durch Private) reduziert.

Daher mag die amerikanische Entscheidung ein Gewinn für die EU (kurzfristig) sein, wir werden jedoch aufmerksam sein müssen, dass sich ein solches Modell nicht in Europa durchsetzt.

Oder wie es die gute EU dargestellt hat:

http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO-15-5275_de.htm

Thus, every European consumer will be able to have access to the open internet and all content and service providers will be able to provide their services via a high-quality open internet without any discrimination or interference by internet access providers. The rules will thereby ensure that internet access providers cannot pick winners or losers on the internet and decide which content and services are available to consumers. This increases consumer choice, competition and consumers‘ welfare.

GAFA

In den Medien ist in den letzten Wochen der Begriff GAFA immer häufiger aufgetaucht:

  • Google
  • Apple
  • Facebook
  • Amazon

Die vier Monopolisten, die aktuell unsere Kultur, unsere Technologie und die Art und Weise unserer täglichen Kommunikation beeinflussen. WhatsApp statt offener Standards, Google kennt uns besser als jede andere Person und über Android werden unsere Verhaltensweisen aufgezeichnet.

Kombiniert mit horizontaler und vertikaler Integration neuer Liefer- und Produktketten in Kombination der Nutzung von Monopol-Gewinnen zur Verdrängung von Mitbewerbern.

In meinen Augen kann es so nicht mehr weitergehen und es wird Zeit diese vier Unternehmen in ihrer Wucht zu beschränken. Ich rede jetzt nicht von Zerschlagung, sondern von regulatorischer Kontrolle neuer Angebote.

Warum ich jetzt darauf kam: Shazam, eine sehr erfolgreiche Plattform, auch wenn ich sie nicht nutze wird wohl bald von Apple einverleibt werden. Und damit ist ein weiterer Dienst in den Fängen von GAFA.

Lebkuchenherz

Lecker, lecker und immer wieder eine schöne andere Art von Modellbau. 

Ein wenig viel Sauerei mit dem Ei-Zucker-Kleber und viel zu schade zu essen. Mein persönliches ideales Verhältnis zwischen Zucker und Ei ist ein Eiweiß und 300 g Puderzucker. Klebt wie Sau… Nicht nur auf dem Lebkuchen. 

Schiffe als größter Abgasverursacher

Momentan verbreitet sich in meiner Facebook-Timeline immer mehr die Behauptung, dass 15 10 8 Dampfschiffe genauso viel Emissionen wie die gesamte Fahrzeugflotte weltweit ausstoßen.

Dies ist offensichtlicher Schwachfug und daher habe ich Quellen gesucht, die entweder darlegen, dass mein Weltbild zu einfach ist oder dass hier wieder mit Fake News versucht systematisch Zweifel an Politik und gesellschaftlichem Konsens zu schüren.

Es steht folgende Behauptung von NABU im Raume:

Allein die 15 größten Schiffe der Welt stießen pro Jahr so viele Schadstoffe aus wie 750 Millionen Autos, so der NABU (Naturschutzbund Deutschland).

Recherchiert man, so wird man darauf stoßen, dass dies nicht korrekt ist, sondern der NABU sich auf Schwefeloxide bezogen hat (und dies sogar fehlerhaft). Dies ist übrigens was anderes als Stickoxide, weswegen der Vergleich zum Dieselskandel Unsinn ist. Heutige Benzine enthalten kaum noch Schwefel (wodurch der Vergleich noch abstruser wird).

Eine Analyse findet sich zum Beispiel bei Welt.de. Mit einem schönen Kernsatz des NABU:

Man verwende das Ergebnis deshalb auch nur, „wenn Medien eine plakative, einfach zu verwendende Zahl möchten“.

Oder auch von Greenpeace selbst:

1,12 Milliarden Tonnen CO² [durch Handelsschiffahrt]

Der Straßenverkehr in Deutschland verursacht 0,906 Milliarden Tonnen CO². 16 Schiffe können daher nicht soviel wie die gesamte Fahrzeugflotte emittieren. Es sei denn der Rest der Welt hat nur ein Drittel soviel Fahrzeuge wie die Autonation Deutschland.

Wieder die Welt:

Doch am weltweiten Ausstoß dieses wichtigsten Treibhausgases hat der Schiffsverkehr nur einen Anteil von drei, der Straßenverkehr aber von 17 Prozent.

Manche würden dies Fake News nennen, ich halte es für bewussten Unsinn auf Kosten derjenigen, die noch an das Gesunde und Funktionierende in unserer Gesellschaft glauben. Es werden Zweifel gesät und jeder, der nicht an Alternativ-Wahrheiten glaubt, wird als Mitläufer und unwissend bezeichnet. Dies ist gefährlich…. Wissend sind dann nur noch die, die an offensichtlichen Schwachfug glauben. Eine Erosion des gesellschaftlichen Fundaments der Grundvernunft.

Man behauptet einfach soviel Schwachsinn, bis sich gewisse Dinge gefangen haben, die sich nur schwer widerlegen lassen (oder hat jemand schon widerlegen können, dass nicht das unsichtbare rosa Einhorn den Regenbogen bringt… Die Erklärung der Widerlegung braucht mehr Zeit und bindet mehr Kapazität als die bloße Behauptung von Schwachfug. Und hat sich der Nächste ausreichend bemüht, wird in einem Satz der übernächste Schwachfug behauptet (oder nach einem Fehler in der komplexen Argumentationskette gesucht.))…. Hat das Opfer diesen Gedanken geschluckt, so kann man diesem jeden Schwachsinn nachkippen… Mischt man Schwachsinn mit regelmäßigen tatsächlichen Fakten, so erhält man Fake News Par Excellence und betrieben von heutiger Politik. Und ein erhabenes Gefühl für diejenigen, die die ‚echte Wahrheit‘ auch noch teilen.

Daher mein Plädoyer: Versucht mit Hilfe der Grundvernunft zu ergründen, ob so schöne populistische/plakative Bilder korrekt sind oder nicht… Teilen ist einfacher als recherchieren… Wissen kostet Mühen… aber nur mit Wissen ist man selbstbestimmt!

Hier im Übrigen der aktuelle Presseartikel von NABU… Klingt schon anders